Ein guter Reitersitz ermöglicht dem Pferd, sich durchwegs in optimaler Balance zu befinden. Das beinhaltet, dass das Pferd sich in einer Haltung bewegt, in der es Gewicht tragen kann, ohne Schaden zu nehmen. Es ist ein Aufrichten, ein Aufspannen und Runden der gesamten Oberlinie. Das Pferd verlagert seinen Schwerpunkt verstärkt nach hinten auf die Hinterhand und kann dadurch Tragkraft entwickeln. So aktiviert es seinen ‚Motor‘, beugt die Hanken, wölbt den Rücken und erhebt sich in seiner Brust. Das wiederum gestattet der Schulter die Bewegungsmöglichkeit der Vorderbeine frei zu entfalten.

 

In der klassischen Pferdeliteratur findet sich an verschiedenen Stellen das bezeichnende Bild, dass der Reitersitz mit einem Orchester der Bauchmuskulatur verglichen wird. Lernt der Reiter sein Zentrum mit der tiefen Bauchmuskulatur und dem Beckenboden in einer positiven Spannung zu halten und spielerisch einzusetzen, so wird er feststellen, wie bereitwillig Pferde diese positive Spannung übernehmen und sich auf minimales Muskelspiel einlassen.
Ein großer Unterschied liegt allerdings darin, ob der Reiter nur auf dem Pferd sitzt und sich tragen lässt, ob er mechanisch Befehle erteilt, oder ob er gefühlvoll ‚im‘ Pferd sitzt, im Rhythmus der Bewegung mitgeht, das Pferd durch ein Spiel seiner Muskeln und seiner eigenen Balance leitet. Auf diese Weise führt das Reiten in die Tiefen einer ausdrucksstarken Bewegungskunst.

Es liegt mir am Herzen, ein tiefgreifenderes Verständnis für den Reitersitz zu vermitteln. Denn unzählige Male wurde und wird weiter darüber gesprochen, dass der Sitz das A und O ist. Das ist keine Frage. Allerdings bringt das Gefühl, das ein Reiter im Sattel entwickeln kann, einen Unterschied in die Art des Reitens. Der Einsatz der Hilfen, die über den Sitz vermittelt werden, hat nichts mit Mechanisierung in irgendeiner Form zu tun. Es ist ein Spüren, ein Einfühlen in die einzelnen Bewegungsabläufe von Pferd und Reiter, ein Koordinieren des eigenen Körpers im Rhythmus der Bewegung.

Um den Reitersitz klar verständlich erklären und einzelne Details besser vertiefen zu können, ist in diesem Kapitel, nach einem Exkurs zur aufrechten Haltung, der menschliche Körper in drei Bereiche eingeteilt: Oberkörper mit Becken, Beine und Hände. Natürlich kommen in der Praxis alle Körperteile nur in einem harmonischen Miteinander zum Fließen. Das Reiterbecken hat den ausschlaggebenden Kontakt mit dem Rücken des Pferdes. Der Oberkörper leitet durch seine Eigenschaft als ‚Balancierstange‘. Die Beine begleiten den Pferderumpf in der Bewegung, animieren und beruhigen, verstärken zudem die Aufforderungen des Beckens. Die Hände halten über eine leichte Verbindung einen konstanten Kontakt zum Pferdemaul aufrecht. …

 

Wir wünschen viel Freude und gute Erkenntnisse beim Lesen und Studieren und viel Freude beim gemeinsamen Training mit den Pferden! 🙂

Zum Nachlesen und Weiterlesen : Auszug aus dem Buch ‘Working Equitation Basics’, Kapitel ‘Sitz des Reiters’ Seite 63ff

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